Über Matjes

Matjes ist Kult. Doch was ist eigentlich Matjes? Wie wird er gefangen? Wie wird er zubereitet? Warum gibt es ihn das ganze Jahr? Warum feiern wir eine Matjessaison? Hier werden alle Fragen zum Thema beantwortet.

Matjes, was ist das?

Matjes ist ein gekehlter, mildgesalzener, enzymatisch gereifter Hering ohne erkennbaren Ansatz von Milch oder Rogen. Viele meinen, ein Matjes zu werden, wäre das beste, was einem Hering passieren kann. Aber nicht jeder Hering kann ein Matjes werden. Er muss „jungfräulich" sein, das bedeutet, er darf noch keine Geschlechtsprodukte (Milch und Rogen) gebildet haben, denn nur dann hat er den berühmten, hohen Fettgehalt. Übrigens wird ein Hering alle Jahre wieder „jungfräulich", Matjes ist also nicht gleichzusetzen mit Jungfisch! Das Wort „Matjes“ stammt vom holländischen Begriff „Maagdenharing“, was frei übersetzt „Jungfrauenhering“ bedeutet.

Fang und verarbeitUng

Heute fängt man den Hering für Matjes mit unterschiedlichen Schiffen – die Bandbreite reicht von Fischereifahrzeugen mit einer Länge von 40 Metern bis zu großen Schiffen von über 100 Metern Länge. Doch egal, wie groß das Schiff, stets gilt es, den Fisch schonend zu behandeln. Ein Fisch mit hohem Fettgehalt ist empfindlich. Daher muss darauf geachtet werden, dass der Fisch nicht zuviel Druck ausgesetzt ist und bei der Verarbeitung vorsichtig behandelt wird.

Direkt nach dem Fang wird der Matjes verarbeitet. Körpereigene Enzyme verleihen ihm eine unvergleichliche Zartheit. Die Fischer legen den Matjes ein und lassen ihn für fünf Tage in einer Salzlake reifen. Das Kehlen geht heute zwar auch maschinell, wird aber oft auch noch von Hand ausgeführt – wie vieles bei der Qualität von Matjes mit Handarbeit verbunden ist. Der Matjes wird gekehlt, in Fässern mit Salz vermischt, geschichtet und dann reift er oft auf dem Transport von den dänischen oder norwegischen Fanggebieten, bis er in Holland ankommmt und dort verarbeitet wird. Bei der holländischen Variante hat die Lake einen merklich geringeren Salzanteil als beispielsweise bei der deutschen. Dadurch ist der holländische Matjes milder im Geschmack und deutlich zarter.

Der Holländische Matjes ist seit 2009 zu100 Prozent MSC-zertifiziert. Das blaue Siegel garantiert, dass der Hering auf verantwortungsvolle und nachhaltige Weise gefangen wird.

 

 

Die Geschichte vom Neuen Matjes

 

 

Fanggebiet und Fangmengen

Bis ins 20. Jahrhundert hinein kam Hering so häufig vor, dass er als „Arme-Leute-Essen“ galt. Zwischenzeitlich gingen die Bestände jedoch aufgrund von Überfischung und ökologischen Problemen stark zurück, sodass sein Wert deutlich stieg. Da der Fang mittlerweile gesetzlichen Beschränkungen unterliegt, konnten sich die Heringsbestände jedoch erholen, sogar so weit, dass sie seit etwa zehn Jahren kontinuierlich wachsen. Jährlich werden heutzutage durchschnittlich ca. 550.000 Tonnen Hering gefangen. Davon werden etwa 25.000 Tonnen zu Matjes verarbeitet. Das Fanggebiet des Holländischen Matjes erstreckt sich in der Nordsee von Deutschland über Dänemark bis nach Schottland und Norwegen.

GTS
'Holländischer Matjes' ist von der EU seit 2016 offiziell anerkannt als

"GARANTIERT TRADITIONELLE SPEZIALITÄT" (GTS)

Matjes gibt es das ganze Jahr Über

Heute ist Matjes das ganze Jahr über verfügbar. Der Grund dafür ist eigentlich ein Problem. Denn in den 70er Jahren kam eine Diskussion in Holland auf, die erst etwa 10 Jahre später auch den deutschen Markt erreichte: die Diskussion um die Fadenwürmer im Fisch, die sogenannten Nematoden. Diese Nematoden sind ganz natürlich und werden in der Regel mit den Innereien aus dem Fisch entfernt. Aber einige können auch bis ins Filet gelangen. Damit dadurch keine Probleme entstehen, muss man sie abtöten. Das geschieht entweder über das Einlegen in Salz, was beim Salzhering kein Problem darstellt, oder aber über Kälte, sprich Einfrieren. Holland hat bereits in den 70er Jahren ein Gesetz erlassen, um dieses Problem zu lösen. Jeder Matjes – der ja nur leicht gesalzen wurde, sodass die Nematoden dadurch nicht abgetötet werden konnten – muss grundsätzlich einmal tiefgefroren werden. Das bedeutet, der Matjes wird auf minus 45 Grad gekühlt. Damit sterben die Nematoden ab und können keinerlei Probleme mehr verursachen.

Ganze Jahr Matjes